...und was meint, ihr, wie schräg ein chromatisch gestimmtes Cembalo klingt? Oder, wer ist mal im Kabel auf die ausländischen Sender aus dem arabischen Raum bestoßen, wenn die mal Musik brachten? Das klingt in unseren westlichen, auf die "wohltemperierte" Instrumentenstimmung eingestellten Ohren irgendwas von "schräg" bis "die ham ein anner Klatsche". Das ganze Orchester spielt genau dasselbe, aber einige mit um eine Nuance höher oder tiefer gestimmten Instrumenten. Die halten das für "virtuos", für uns ist das im einfachsten Falle "gewöhnungsbedürftig.
Es existieren eine ganze Reihe von Methoden, ein Instument auf bestimmte Töne (=Frequenzen) zu stimmen, damit die alle zusammen einen "Wohlklang" ergeben. Zu Zeiten J.S. Bachs waren noch ein paar "chromatisch" gestimmte Instrumente in Gebrauch, der "Umzug" auf die "temperierte" Stimmung war so gut wie vollzogen. Höre z.B. "Das wohltemperierte Clavier" von eben jenem J.S.Bach. Da kommen alle Tonarten mit allen Übergängen drin vor, aber nicht als rein akademische Aneinanderreihung, sondern in einen ausgesprochen schönen Melodiebogen verpackt. Wenn mich der Schul-Musikunterricht noch korrekt im gedächtnis begleitet, dann zeugt der bekannte, geschwungen-verschnörkelte Notenschlüssel am Anfang einer jeden Notenzeile noch von diesem Übergang zu unserer "modernen" Instrumentenstimmung. Halt, um den Musikern zu sagen, wie die Instrumente gestimmt werden mußten, damit das so klingt, wie der Komponist es sich vorgestellt hat.
Die Notenschrift, wie sie heutzutage weltweit benutzt wird, hat aber auch Konkurrenz. Es gab z.B. unter einer ganzen Reihe von alten Jazz- und Country-Musikern massenweise Iconen ihrer Musikgattung, die zwar täglich neue Musik spielten und erfanden, aber nicht eine einzige Note (in üblicher, klassischer Darstellung) lesen konnten. Deswegen wurde in Nashville von vielen Plattenfirmen dort eine neue, einheitliche Notenschrift erfunden, die auch von solchen Leuten nach kurzer Eingewöhnungszeit vom Blatt gespielt und zu Papier gebracht werden konnten, denen "Noten" nichts sagten. Es war - und darauf war die Sache abgestellt - sehr viel schneller erlern- und einsetzbar. "Universell" mußte sie nicht sein, da sie nur für recht wenige Musiktypen geeignet sein mußte. Den Namen hab ich leider vergessen.
Nur so war es möglich, daß der eine Musiker auch von anderen komponiertes spielen konnte, ohne selber "Noten" zu können. Bzw. andere Berufsmusiker so Stücke von einem Noten-unkundigen Urheber spielen konnten, der bis dahin nur im Kopf komponierte und dann rein aus dem Gedächtnis spielte und es gab nie eine papierne Form davon.
Ich meine, diese Notations-Methode ist in Nashville noch zu Elvis´ Zeiten tagtäglich in Benutzung gewesen bis dann so viele Musiker nachgewachsen waren, die "Noten" von Grund auf gelernt hatten und vom Blatt spielen konnten.