Allgemeines 21.916 Themen, 147.232 Beiträge

Tipp: Allgemeines

Gearbest: China-Versandhaus startet deutschen Shop mit Garantie

Michael Nickles / 48 Antworten / Flachansicht Nickles
(Foto: Gearbest)

Online-Shopping direkt in China ist längst gleichermaßen simpel geworden wie bei Amazon oder Ebay. Dabei geht es nicht nur um Schnäppchenjagd. Direkt aus China gibt es interessante Produkte, die auf dem deutschen Markt schlichtweg nicht erhältlich sind.

Ein selbsterklärendes Problem: Waren aus China sind nicht binnen 24 Stunden per Expressversand lieferbar, es dauert im Schnitt 14 bis 21  Tage (wenn kostenloser Versand gewünscht wird).

Ein echtes Problem mag für deutsche Kunden die Sprachbarriere sein: China-Shops bieten meist nur Englisch als Alternative oder eine eher gruselige Eindeutschung (an der man auch die meisten China-Angebote bei Amazon und Ebay erkennt). Weiterer Knackpunkt ist die Garantie. Garantieabwicklungen über China sind eher aufwändig, schwierig bis unmöglich (weil wegen Versandkosten nicht lohnenswert).

Im Fall einer "LED-Leuchte" oder eines Gimmicks für 1,99 Euro ist das schnuppe, beim Kauf einer eher höherpreislichen Ware aber bedenklich. Der Kauf etwa eines Smartphone-Schnäppchens für 100, 200 oder gar mehr Euro ist heikel. Und deutsche Reparaturshops können selbst bei sehr beliebten  "China-Marken" wie Xiaomi und Co kaum helfen.

Gearbest verspricht seinen Kunden im deutschen Shop viel. (Foto: Gearbest)

Der chinesische Versandhändler gearbest.com hat jetzt einen "deutschen Shop" gestartet und widmet sich auch dem heiklen Thema Garantie. Den deutschen Shop gibt es hier: de.gearbest.com. Die Ware wird zwar weiterhin aus chinesischem oder EU-Lager geliefert, aber es gibt deutliche Unterschiede zur Bestellung im chinesischen Shop: 1 Jahr Produkt-Gewährleistung, deutschsprachiger Kundenservice  und ein in Europa befindliches Reparaturzentrum.

Foto: (Gearbest)

Geliefert wird per "Germany Express", was auch beim chinesischem Shop für deutsche Kunde die bevorzugte Methode ist: relativ schnell (erfahrungsgemäß ca 14 bis 21 Tage) und sehr günstig oder gar kostenlos.

Anlässlich des Starts des "deutschen Shops" gibt es auch eine erste Promoaktion mit Sonderangeboten. Da wird mit Angeboten geworben, die in Deutschland besonders beliebt sein sollen, beziehungsweise solche, von denen die Chinesen glauben, dass sie bei uns besonders beliebt sind. Stöbern im Shop liefert auf jeden Fall auch abseits von Technik "außergewöhnliche" Angebote wie beispielsweise den im Aufmacherbild gezeigten "multifunktionalen nahtlosen Zauberschal für Outdoor Sportler" für gerade mal 3,64 Euro.

Bei den deutschen Warenbeschreibung auf de.gearbest.com muss aktuell noch ein Auge zugedrückt werden. Wie gut der Europäische Reparaturservice funktioniert wird sich zeigen. Auf jeden Fall ist das Direktshopping in China wohl eine Ecke einfacher geworden.

Bezüglich Nickles.de und Gearbest.com: Nickles.de hat eine unverbindliche Kooperation mit Gearbest. Die begann vor rund einem Jahr, als Gearbest nachfragte, ob vielleicht Interesse bestehe, mal ein "chinesisches Produkt" zu testen. Ich habe mir damals den Markt angeguckt und mich zu einer Vorstellung eines "China-Smartphones" entschlossen, dafür das Xiaomi Redmi Note 3 Pro gewählt.  Es entstand der Testbericht China-Smartphone Geheimtipp - Xiaomi Redmi 3 Pro durchleuchtet.

Es folgten weitere Berichte über "China-Geräte" und die Testergebnisse waren meist auch sehr erfreulich, aber nicht durchgängig. Im Beitrag REPORT China Tablets, Teil 5: Hersteller Support-Qualität und Fangemeinde wurde etwa ausdrücklich vor der miserablen Community-Betreuung und Fehlernachbesserung des "Tablet-Herstellers" Chuwi gewarnt. Dennoch ist das getestete Tablet ein klasse Gerät und "heikler" Support eines Herstellers ist keineswegs "China-typisch".

Unter anderem im englischsprachigen Forum von Xiaomi (wo ich gerade ein ziemlich übles Problem diskutiere) ist die Zusammenarbeit zwischen Entwicklern, Kunden und Fans hervorragend. Sehr häufig warne ich bei "China-Tests" vor einem übereilten Kauf - bei sehr neuen Produkten sollte immer eine Schnäppchenaktion oder der "normale Preisverfall" abgewartet werden.

In den meisten Tests schneiden die von Gearbest.com zum Test gelieferten Produkte auf Nickles.de recht gut bis sehr gut ab. Das liegt nicht an irgendeiner "Bestechung" sondern einfach daran, dass ich Geräte/Marken bereits im Vorfeld sehr gründlich recherchiert aussuche - ein nicht empfehlenswertes "Schrotthandy aus China" dürfte wohl kaum jemanden interessieren.

Die Zusammenarbeit mit Nickles.de bringt für Gearbest selbsterklärend den Vorteil seine Bekanntheit zu steigern und für Nickles.de (und die Leser hier) eben den Vorteil, schnell an interessante Berichte zu China-Hardware zu gelangen. Ein Testbericht wie jener über das aktuelle Vernee Apollo X (siehe TEST: Vernee Apollo X Smartphone - Erstkontakt mit neuem Preiskiller (Teil 1)) wäre ohne Kooperation mit Gearbest zudem kaum möglich.

Es dauert zu lange abzuwarten, bis so ein brandneues Gerät offiziell in einem Shop bestellbar ist. Aktuell ist Nickles.de eine der ersten deutschsprachigen Webseiten, die dieses sehr interessante neue Smartphone real im Test hat und nicht nur irgendeine "Einschätzung" anhand technischer Daten runterleiert. Ohne Kooperation mit Gearbest wäre das nicht möglich.

Bei Links zu Produkten im Gearbest-Shop ist Nickles.de finanziell beteiligt, wenn dabei eine Kaufabwicklung zustande kommt - und so ich nicht zu faul bin, eine Verlinkung entsprechend "modifiziert" einzubinden. Das mit den Verkaufsprovisionen handhabt sich generell genauso, wie wenn jemand Nickles.de unterstützen will und dazu den auf der Startseite oben rechts verlinkten Amazon-Eingang nutzt. Bei Amazon-Links in Berichten bin ich meist zu faul die Verlinkung zu modifizieren um "mitzuverdienen" - der Zeitaufwand für die Link-Bearbeitung übersteigt den erfahrungsgemäß zu erwartenden Profit.

bei Antwort benachrichtigen
Was zahlen sie denn? mawe2
fakiauso Borlander „Genau daran scheitert es aber meistens leider schon :- Ansonsten aber volle Zustimmung zu Deinen Überlegungen bzgl. der ...“
Optionen
Genau daran scheitert es aber meistens leider schon :-(


Und das ist begründet in diesem System. Am Beispiel Mixer wäre doch ein stabiler Stiel nebst Arretierung Aufwand im Cent-Bereich und trotzdem wird konstruktiv so eine Schwachstelle eingebaut.
Das zieht sich durch alle Bereiche. Wo etwas zu reparieren wäre, wird es entweder ebenfalls konstruktiv verhindert oder wie in den USA per Patent von der Industrie versucht zu verhindern. Dann ist man entweder gezwungen, sinnlose teure Reparaturen, Services und Ersatzteile zu akzeptieren oder neu zu kaufen. Am Ende steht immer der Profit ohne Rücksicht auf Natur und Mensch als Teil dieser.

Weder bin ich Träumer noch weltfremd und mir ist bewusst, dass man sich diesem Zwang nie völlig entziehen kann, solange man Teil dieser Gesellschaft ist. Aussteigen schaffen die wenigsten und damit ist auch nicht der Allgemeinheit gedient, geschweige denn, dass es am System selbst etwas änderte. Aber wo es im persönlichen Rahmen möglich ist, kann und muss man sich dem entgegensetzen.

In jüngerer Vergangenheit hatten wir das Thema an anderer Stelle, wo es um Produzieren auf Halde am Beispiel Auto ging und das selbst das Herstellen bereits Profit und Gewinn bringt.

In der Textilindustrie gehen Schätzungen davon aus, dass die Lohnkosten bei in Ostasien hergestellter Ware noch ca. 1% betragen, die Arbeitskosten je T-Shirt liegen bei 18 Cent + 11% Steuern. 25% Anteil der Kosten hat die Werbung und 50% sind Gewinne und die Kosten des Einzelhandels.
Das gilt unabhängig von der Marke vom billigsten KiK-Fetzen bis zum scheinbar hochwertigen Markenshirt. Dort ist halt der Gewinn höher durch die zahlende Kundschaft. Angesichts solcher Zahlen ist eben selbst das billigst verkaufte Teil im Nachlass noch mit Gewinn vertickt und bei den zum normalen Preis verkauften Shirts kann man etliche wegwerfen, ohne Minus zu machen. Bei anderen Produkten schwankt die Spanne und das Verhältnis, das Prinzip ist gleich.
Der Absatz hat sich zwischen 2002 und 2015 verdoppelt und trotzdem haben die Hersteller die Frechheit, bei höheren Lohnforderungen gleich "notwendigerweise" den Preis erhöhen zu müssen, obwohl sich das am Profit kaum auswirken würde. Reinvestiert und akkumuliert wird in die Produktion auch kaum, sonst produzierten die Arbeiter nicht unter solch unwürdigen Umständen. Stattdessen zieht die Karawane weiter in das nächste Paradies, bis auch dort Steuervorteile und Arbeitskräfte ausgesaugt und verbraucht sind. Lieber zahlen sie für Prügeltrupps oder schmieren Politiker als höhere Löhne zu zahlen und Gruppen zu akzeptieren, die Arbeiterrechte vertreten.

Diesen ganzen Wust bezahlen wir alle trotzdem mit und blenden es einfach aus, weil es uns nur mittelbar betrifft. Dabei ist unser Lebensstil derzeit bereits so weit gediehen, dass wir durchschnittlich einen Ressourcenverbrauch haben, der als Grundlage der eineinhalbfachen Erde bedürfte.

Zu lesen u.a. bei Harald Lesch - Die Menschheit schafft sich ab und stichpunktartig herausgezogen in der OXI von Mai dieses Jahres, leider nur gegen Gebühr:

https://e-paper.oxiblog.de/de/profiles/9b3e2b784504/editions/262b741f340126ab9acc

Kann ja alles noch werden...

"Anyone who believes exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an idiot (or an economist)" - Hellsongs
bei Antwort benachrichtigen
Full Ack... schnaffke