Die wichtigste Folgerung aus dem Artikel, den ich eingangs verlinkt habe, wäre, die Massenkaufkraft zu erhöhen, um die Arbeitslosigkeit zu senken. Insbesondere müsste sich der Staat, die Wirtschaft, der Einzelne wieder mehr leisten können (und bezahlen können, ohne Lohndumping und Schwarzarbeit, letzteres ist wichtig!) und zwar vor allem arbeitsintensive Leistungen, nicht unbedingt Produkte aus menschenleeren Fabriken.
Ich sehe keine Maßnahme der Schröder-Regierung, die das leistet. Überhaupt, sollte man mal die fragen, wo ist die Massenkaufkraft geblieben und wo die Dienstleistungen, qualifizierte Dienstleistungen?
Tatsächlich ist für die Wirksamkeit der Wirtschaftspolitik der Zeitfaktor sehr wichtig, der kommt in der klassischen Neoliberalen Volkswirtschaftslehre nicht vor. Es muss tatsächlich zuerst die Nachfrage erhöht werden, man kann nicht warten bis die Volkswirtschaft wieder konkurenzfähiger geworden ist.
Bei dem Text, den ich eingangs verlinkt habe, wird u.a die Frage der Grenzkosten erörtert (= zerflückt). Die Volkswirtschaftslehre geht von einer sogenannten konvexen Kostenfunktion aus. Gewonnen am Beispiel der Getreideproduktion im 19. Jahrhundert. Bei geringer Produktion kann man nicht so rationell arbeiten und hat auf Grund der geringen produzierten Menge auch nicht den optimalen Profit. Wird die Produktion erhöht, um von gestiegenen Marktpreisen zu profitieren, muss man auch schlechtere Böden beackern und hat daher ungünstige Kosten, man kommt in den Bereich der sogenannten Grenzkosten, wo kein Profitzuwachs aufgrund erhöhter Produktion mehr möglich ist. Die optimale Produktionsmenge wird entlang der Grenzkosten einpegeln (es gibt ja noch Konkurenz, der größt-mögliche Profit ist nicht drin, es muss Masse produziert werden) und liegt irgendwo zwischen einer geringen Menge und der max. möglichen, eben dort, wo sich große Mengen mit noch vertretbaren Kosten erzeugen lassen.
Wir wissen aber, dass dies bei der industriellen Produktion z.B. von Handy oder Computern ganz anders aussieht. Dort führt die Massenproduktion zu günstigen Preisen. Außerdem müssen Produktionsentscheidungen (sowie Rieseninvestitionen) oft Jahre im Voraus gefällt werden, wenn die Nachfrage nach dem neuen Produkt noch gar nicht da ist. Aber für die Volkswirtschaftslehre ist dies kein Grund ihre mathematischen Modelle zu ändern.
Ähnlich realitätsfern wird mit dem Rechenmodell verfahren, dass die Nachfrage nach Arbeitskraft beschreibt. Der Kanzler und seine Berater vertrauen einer Wissenschaft, die vollkommen unseriös rechnet. So sehr der Oskar Lafontaine auch herumspinnt, sie hätten sich nicht mit ihm verkrachen dürfen, denn sie finden niemand anderen, der sich im Labyrinth der hinmanipulierten Volkswirtschaftslehre auskennt und in öffentlichen Diskusionen auch eine zur Lehrmeinung (= neoliberal) konträre Meinung auch rhetorisch ausreichend sicher vertreten kann. Inzwischen holt die Realität unsere "Realpolitiker" ein.
www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,314668,00.html
www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,314675,00.html
www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,314680,00.html
www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,314090,00.html
http://portale.web.de/Finanzen/Wirtschaftspolitik/Haushalt/?msg_id=5348107