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Zollschock bei China-Lieferungen - und wenn er aber kommt...

Michael Nickles / 22 Antworten / Flachansicht Nickles
DHL-Expresslieferung. Der fette Aufkleber "ACHTUNG BARZAHLER" ist wohl für den Paketboten gedacht. (Foto: mn)

Bei Online-Bestellungen im Ausland sind prinzipiell Zollgebühren fällig und es muss auch die Mehrwertsteuer geblecht werden. Unter anderem diverse chinesische Anbieter versuchen ihren Kunden diese Kosten zu ersparen.

Und das gelingt in den meisten Fällen wohl auch. Ein Restrisiko bleibt. Kommen auf ein "China-Schnäppchen" die Gebühren drauf, dann ist es nicht mehr unbedingt ein Schnäppchen.

In Fällen wo ein Gerät ein außergewöhnlich erstklassiges Preis-/Leistungsverhältnis hat und zudem sowieso fast nur über China erhältlich ist, spielt das Draufzahlrisiko keine Rolle. Ein Smartphone wie das Xiaomi Redmi Note 3 Pro etwa ist immer ein Bombendeal - egal ob es 160 oder 200 Euro kostet. Es prügelt den Ramsch der hier für dieses Geld in den Läden rumliegt mühelos in Grund und Boden.

Was ist also Sache mit dem "Zollzeugs"? Ich selbst habe inzwischen mehrfach beispielsweise bei Gearbest.com bestellt und die Lieferung lief immer nach dem gleichen Schema ab. Vom Lager in Shenzen ging es nach Hongkong, von dort nach Großbritannien, dann nach Hamburg und von dort nach München.

Der Absender des Pakets ist ein Logistikunternehmen in Hamburg, es existiert also kein chinesischer Absender auf der Lieferung. Um etwaige Zollgebühren auf dem Transportweg kümmert sich also der chinesische Online-Shop. Mir ist bislang kein Fall bekannt, wo ein Kunde hier draufzahlen muss.

Beispiel gearbest.com: Bei den kostenlosen Versandarten wie "Priority Line" kommt die Lieferung nach rund 14 Tagen und es fällt in der Regel kein "Zoll-Klimbim" an.

WENN richtig bestellt wird! In der Regel sind alle kostenfreien Standardversandarten richtig. Im Fall von Gearbest.com nimmt man am besten die kostenlose Methode "Priority Line". Die Lieferung trifft dann erfahrungsgemäß nach rund 14 Tagen ein.

Wenn es ums Verrecken schneller sein muss und Geld keine Rolle spielt, gibt es den teuren "Expressversand" (Expedited Shipping). Der kostet nicht nur Versandgebühren, sondern das Paket landet auch praktisch garantiert beim Zoll, beziehungsweise der Zollabwicklungsstelle von DHL. Es kommen also eventuelle Zollgebühren drauf und 19 Prozent Mwst, die vom Paketlieferanten bei Zustellung bar kassiert werden.

Paketverfolgung bei Gearbest. Wie in der Liste (links) zu sehen, geht es in "Shenzen" (China) los. Knapp 8 Tage später war das Paket über Hongkong und Großbritannien nach Deutschland gelangt. Hier endet das "ausländische" Tracking und es geht bei der DHL Sendungsverfolgung (rechts) mit der gleichen Sendungsnummer weiter, was leider nicht direkt mitgeteilt wird - der "ausländische" Trackingdienst endet einfach mit dem Hinweis "Information sent to Germany".

Vor einigen Tagen kriegte ich einen Anruf von der Zollabwicklungsstelle von DHL in Leipzig. Mir wurde mitgeteilt, es sei ein Paket aus China für mich eingetroffen und das mit dem Zoll müsse geklärt werden. Tatsächlich handelte es sich (wie ich später erfuhr) um ein Testgerät, das mir gearbest.com überraschend ohne vorherige Mitteilung per Expressversand geschickt hat. Die Dame von DHL bat mich um meine Email-Adresse um mir die "Unterlagen" zuzuschicken.

Die Email von DHL mit der "Importanweisung".

Das Formular ist relativ schmerzlos. Die Zollbehörde beziehungsweise DHL in dessen Auftrag will einen Wertnachweis haben. Es wird ausdrücklich ein realistischer Warenwert gefordert. Wichtig hierbei: eine Rechnung als Wertnachweis wird nicht akzeptiert.

Wohl deshalb weil ausländische Versandhändler auch gerne "zollfreundliche" Rechnungen mit extrem geringem Warenwert bereitlegen. Es braucht also einen glaubwürdigen Nachweis wie beispielsweise einen "Paypal-Auszug". Problem bei Kreditkartenzahlung: hier kriegt man den Nachweis in der Regel erst am Ende des Monats mit der Monatsabrechnung.

Alternativ kann der "Bestellvorgang" vorgelegt werden. Es kann also sinnvoll sein, bereits beim Bestellen ein paar "Screenshots" zu machen. Weiter weist die Zollbehörde darauf hin, dass Frachtkosten gezahlt werden müssen!

Dies auch dann, wenn ein Versender "kostenlos" versendet hat (siehe beispielsweise Zoll.de - Luftfrachtkosten). Sind keine glaubwürdigen Frachtkosten angegeben, werden die vom Zoll geschätzt beziehungsweise veranschlagt. Das spült der Behörde zusätzlich Kohle in die Kasse. Denn: die Zollgebühren und die MwSt werden aus Warenwert plus Versandkosten errechnet. Je nach Gewicht einer Sendung vermute ich mal zwischen 10 und 20 Euro Versandkosten.

Wer mit dem "Schlimmsten "rechnen will, sollte also auf den "China-Kaufpreis" 19% MwSt dazurechnen - was natürlich wiederum allen schnuppe sein kann, die geschäftlich kaufen und MwSt sowieso absetzen.

Die Benachrichtigung zur Sendung.

Gibt es eine Chance sich beim Zoll rauszureden? In meinem Fall musste ich natürlich erklären, dass es sich um ein kostenloses Testgerät handelt und entsprechend auch kein Bestellvorgang oder irgendeine Zahlungsbestätigung vorlegbar ist.

Auch habe ich natürlich darauf verwiesen, dass ich bei Nickles.de chinesische Geräte teste. Das war leicht belegbar (Links zu Beiträgen hier) und das wurde auch akzeptiert - zumindest irgendwie.

Der Paketbote brachte das Paket am folgenden Werktag und verlangte dafür 23,31 Euro. Die setzen sich laut Benachrichtigungsschreiben aus 8,43 Euro Einfuhrumsatzsteuer, 12,50 Euro "Kapitalbereitstellungsprovision auf Zoll und EUSt" sowie drauf 2,38 Euro MwSt zusammen. Woher kommen diese Beträge? Ganz simpel.

Gearbest.com hat auf dem Lieferschein (der auch dem "Zoll" beziehungsweise DHL vorliegt) einen Warenwert von 50 Dollar angegeben - daraus ergeben sich die 8,43 Euro Einfuhrumsatzsteuer. Die Kosten für Kapitalbereitstellungsprovision und zugehörige MwSt in Höhe von 14,88 Euro entfallen für DHL.

Und zwar für die Dienstleistung, die Zollgeschichte abzuwickeln und auch die anfallenden Kosten vorzustrecken. Es ist Quatsch (wie in anderen Foren gelesen) diese Kosten als Abzocke zu bezeichnen. Auch ist es Quatsch irgendeinen Antrag auf "Selbst-Zollabwicklung" zu stellen um diese DHL-Kosten einzusparen.

Und zwar, weil der Zoll Pakte erst dann rausrückt, wenn seine Kosten gezahlt sind. Ultrahartnäckige müssen also beispielsweise nach Leipzig fahren und sich dort selbst um die Zollzahlung kümmern, was sich kaum rechnen dürfte. Letztlich: in Leipzig treffen täglich zigtausende Pakete aus China ein, für die Zollbehörde besteht keine Chance jede Sendung zu überprüfen. Auch bei Expresslieferung über DHL wird die Mehrheit also um Zoll und Mehrwertsteuer rumkommen.

Und abermals der Tipp Nummer 1: besser keine kostenpflichtige Expresszustellung wählen sondern einen kostenlosen Versandweg, der über eine Zwischenstation in der EU läuft. Das mindert das Risko von Zollgebühren. Konkret geht es eigentlich sowieso nur um die 19 Prozent Mehrwertsteuer. Denn: bei mobilem elektronischen Zeugs wie Smartphones, Tablets und Laptops fällt laut Liste des Zoll sowieso keinerlei Zollgebühr an. Richtig teuer wird es nur bei einem Dingbums das sich "DVD-Player" nennt. Da beträgt der Zollsatz brutale 13,9 Prozent. Solche antike Unterhaltungselektronik sollte man also besser nicht in China bestellen.

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