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News: Überraschendes Testergebnis

Dauerfolter: SSD-Laufwerke stecken viel mehr weg als gedacht

Michael Nickles / 25 Antworten / Flachansicht Nickles

SSD-Laufwerke verleihen selbst alten Rechnern und Laptops enorme Leistungskicks, sie werden permanent preiswerter. Für ein Modell mit 256 GByte ist kaum noch mehr als ein Hunderter fällig. Allen Vorteilen steht der (vermeintliche) Nachteil gegenüber, dass die Lebensdauer der SSD-Festspeicher begrenzt ist.

Und dem ist auch so: die Speicherzellen machen nur eine gewisse Zahl an Zustandsänderungen mit, dann ist Schluss. Aber wann genau?

Die Samsung 840 Pro ist eine der beiden Platten, die inzwischen die irre Datenmenge von 2 Petabyte überlebt hat. Weiter ist noch eine Kingston HyperX 3K im Rennen. (Foto: Samsung)

Das Ergebnis eines sehr interessanten Dauertests wurde jetzt von Techreport veröffentlicht. Vor über einem Jahr wurden sechs ausgesuchte SSD-Laufwerke zu einem Himmelfahrtskommando verdammt. Es wurde ausprobiert wieviele Schreibvorgänge sie bis zum Zusammenbruch aushalten.

Dabei haben die Kollegen auch Antworten auf spannende Fragen ermittelt. Darunter wie sich die Leistungs- und Gesundheits-Eigenschaften der Laufwerke während der Tortur verhalten und was schließlich genau passiert, wenn ein Laufwerk am Ende ist.

Nach über einem Jahr Dauerfolter haben die sechs Laufwerke alle ihre theoretische Lebensdauer längst überschritten und mehr Schreibvorgänge erlitten, als SSDs bei den meisten Menschen wohl so erfahren.

Bezüglich SSDs gilt zu wissen, dass sie nicht sofort vollständig unbrauchbar werden, wenn Speicherzellen kaputt gehen. Sie verfügen über ein Reservoir an "Ersatzzellen" die einspringen können. Erst nach Aufbrauch dieses Ersatzvolumens ist Feierabend.

Das Resultat des sehr ausführlichen Tests ist erstaunlich und fordert dazu auf, die Haltbarkeit von SSDs zu überdenken. Alle sechs Testkandidaten schafften es mühelos hunderte an Terabytes zu schreiben, zwei (von Samsung und Kingston) packten gar 2 Petabyte. Alle schafften also viel mehr, als normale Nutzer so zusammenkriegen und viel mehr, als die Hersteller garantieren.

Michael Nickles meint:

Ich habe mich in der News auf eine Kurzfassung beschränkt, die sehr ausführlichen Testergebnisse können auf Techreport nachgelesen werden. Das Ergebnis ist erfreulich. Es zeigt, dass SSDs viel mehr aushalten als gedacht, viel mehr, als die Hersteller selbst versprechen.

Eine Sorglos-Garantie ist das aber nicht! Jedes elektronische oder mechanische Laufwerk kann jederzeit schlagartig verrecken. Eine komplett-elektronische SSD ist da nicht sicherer als eine teil-mechanische Festplatte. Es braucht also in allen Fällen ein Backup-Konzept.

Was ich tun würde, wenn ich mich für eine SSD oder Festplatte entscheiden müsste, wenn ich keine Chance auf ein Backup hätte? Dann würde ich eine klassische "mechanische" Festplatte nehmen.

Mir sind schon diverse Platten verreckt, aber nur in wenigen Fällen fielen die Dinger schlagartig ohne Vorwarnung aus. Ein bevorstehendes Ende kündigte sich beispielsweise bereits im Vorfeld durch auffällige Geräusche an oder eine Platte fuhr erst "im zweiten Anlauf" richtig hoch.

Da blieb immer noch genug Zeit Daten in Sicherheit zu bringen oder sich rechtzeitig um den Austausch des Backup-Mediums zu kümmern. Geht eine Platte gar nicht mehr, besteht die Chance die Elektronik auszutauschen (so eine baugleiche Platte vorhanden) ist.

Verreckt sie in einem externen USB-Gehäuse, kann sie rausgeholt und eventuell noch direkt per SATA-Anschluss angesprochen werden. Diese Reserven gibt es bei "Komplett-All-In-One-Elektronik" nicht. Das ist wohlgemerkt nur ein Gedankenspiel!

Eine SSD und dazu ein passendes Backup-Konzept ist heute selbstverständlich die zeitgemäßere Lösung als mechanische Platten zu verwenden - die braucht es halt weiterhin als günstige Datenträger für große Datensammlungen.

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dirk42799 Michael Nickles „Dauerfolter: SSD-Laufwerke stecken viel mehr weg als gedacht“
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Das Dilemma ist meiner Meinung nach heute das Folgende:

früher (ich weiß, ich weiß... ;-)) hat man zu einer Platte eines namhaften Herstellers gegriffen und gut war´s.
Heute tummeln sich alle paar Jahre neue Player auf dem Markt und die Datenträger unterscheiden sich oftmals dann "nur noch" in einzelnen Bereichen. Ein solcher, wesentlicher Bereich ist der Controller:
da wird von Samsung-SSDs berichtet, die im Test der absolute Hammer waren (im Blick auf Schreib-/Lesegeschwindigkeit) und das anschl. selbst gekaufte Exemplar hatte einen neueren, verschlimmbesserten Controller, der die ansonsten identische Hardware ausgebremst hat.

Und so würdige auch diesen Test:
es ist interessant zu sehen, daß es einige Geräte bis deutlich über die Werksvorgaben schaffen.
Aber leider ist das eine recht spezielle Gruppe, die nachher rauskommt und übrig bleibt, sodaß deren Nachfolger in 6-12 Monaten schon wieder ganz andere Eigenschaften aufweisen werden.

Ein interessantes Testszenario wäre für mich daher folgendermaßen aufgebaut, um die Zuverlässigkeit zu testen:
durch anonymen Kauf werden regelmäßig neu erscheinende Platten der verschiedenen Hersteller demselben Dauertest unterzogen. Erst wenn x% (z. B. 80% oder mehr) der Geräte den Test über die angegebene Zeit/die angegebenen Ziele schaffen, wäre das für mich ein Indiz (kein Garant) der Zuverlässigkeit.

ja, ich schreibe absichtlich nach den alten Rechtschreibregeln!
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