Linux 14.984 Themen, 106.405 Beiträge

Together we will conquer (Fedora 15)

DergroßeGuru / 30 Antworten / Flachansicht Nickles

Harte Zeiten

Es ist eine dieser Geschichten, die das Leben schreibt. Junge liebt Mädchen. Mädchen liebt allerdings nur sich. So eine einseitige Liebe kann schmerzhaft sein, aber hat im ersten Augenblick wenig mit Linux zu tun. Allerdings erging es mir so mit Fedora. Irgendwie war mir diese Distribution schon immer sympathisch und so habe ich mit jeder neuen Version einen Anlauf gemacht und die Installation gestartet. Wenn das überhaupt ging. Meist versagte schon die Live-CD ihren Dienst. Oder es gab gröbere Probleme nach der Installation. Man fühlte sich verschmäht und zurückgewiesen. Lag es an mir? An meiner Hardware? Aber die wurde doch sogar zwischenzeitlich gewechselt. Und andere Distributionen laufen doch auch. Sogar mit derselben Kernelversion. Ich verzweifelte. Warum tut sie mir das an?

Nun war es wieder einmal so weit. Fedora 15 ist erschienen und wartete auf einen Versuch. Als erste Annäherung gilt wie immer der Download. Langsam und behutsam ging ich an die Sache ran, klickte auf die entsprechende Torrent-Datei, um kurz darauf wieder verschämt auf den Boden zu blicken. Aber der Annäherungsversuch gelang, der Download lief. Ein USB-Stick lag schon bereit. Jungfräulich, aber auf den Empfang der Daten vorbereitet. Mit dd wurde das Image überspielt, aber so weit bin ich bisher immer gekommen. Die Aufregung stieg, der Reboot mit Fedora stand an.

Der BIOS-Beep ertönte, ich erschrak. Sollte es diesmal klappen? Mit zittrigen Fingern wählte ich den USB-Stick als Boot-Device. Ein blauer Bildschirm erscheint. Nicht wie der BSOD, sondern wunderschön. In wenigen Sekunden wird Fedora automatisch gestartet. Ich warte gespannt. Das System legt los, es erscheint das Fedora-Logo, welches sich langsam aber stetig füllt. Mein Herz schlägt schnell. Der Startvorgang über USB dauert eine gefühlte Ewigkeit, aber man kennt das. Vorfreude ist die schönste Freude. Und es erscheint keine Fehlermeldung, das System bleibt nicht hängen. Nein, es startet ohne Probleme! Mich begrüßt der Desktop. Wiederum im schicken blau, aber ungewohnt. Ist das schon Gnome 3? Ohne proprietäre Treiber? Diese Distribution hat wirklich Nouveau! Und das ohne dabei auf Funktionalität zu verzichten.

Ohne große Umschweife starte ich die Installation. Mit ein paar Klicks ist alles erledigt. Sie lächelt mich mit ihrer Fortschrittsanzeige an. Ein tolles Gefühl. So ging die Installation auch sehr schnell. Wir verabredeten uns auf ein neues Date, nach dem Reboot. Ich freute mich, warf ihr noch einen Blick zu. Sie ging elegant von dannen.

Also wartete ich auf sie. Direkt hinter dem BIOS wollten wir uns treffen. Aber sie kam nicht. Sie hatte wohl Panik. Kernel Panic. Was war los? Wir haben uns doch gut verstanden. Ich ging zurück zum BIOS, aber es half nichts. Sie tauchte nicht auf. Aber so einfach wollte ich nicht aufgeben. Nicht heute. Ich schrieb ihr eine Nachricht, startete einen neuen Installationsversuch. Ich ließ meinen Charme spielen, klickte sanfter denn je zuvor. Ich konnte sie überzeugen: Ein erneutes Treffen hinter dem BIOS.
Ich war schon dort. Sekunden wurden zu Stunden. Würde sie wieder Panik bekommen? Es wurde dunkel. Doch dann erschien sie. Wie ein blauer Engel, nur dass sie nicht trinkt. Der Startbildschirm brachte mich zur Verzückung. Wunderschön animiert zeigt sie ihr Logo, welches sich in einer schönen, aber unaufdringlichen Animation füllt. Und das sogar ziemlich schnell. Der Anmeldebildschirm erscheint. Ich flüstere ihr unser abgesprochenes Passwort zu. Der Desktop startet.


Ein etwas anderer Erfahrungsbericht. Falls das in diesem Stil weitergehen soll, bitte melden. Ansonsten folgt ein neutraler Bericht über Fedora 15. Es liegt an euch. ;-)

Be happy! DgG
bei Antwort benachrichtigen
Linux is sexy!!! cscherwinski
DergroßeGuru Nachtrag zu: „Together we will conquer (Fedora 15)“
Optionen

You had me at 'log in'

Da waren wir nun. Schweigend blickten wir uns gegenseitig an. Ihr strahlendes blau wirkte kühl, aber anziehend. Sie ist eine Herausforderung, das wusste ich von Anfang an. Mit platten Konversationen kommt man hier nicht weit. Ich war froh bis hier gekommen zu sein nach allem was war. Aber zufrieden geben wollte ich mich damit nicht. Was sollte ich tun, welche Aktivitäten starten? Was macht sie gerne und wovon ist sie nur schwer zu überzeugen? Musik ist immer gut, also musste der nächste Club gefunden werden. Allerdings ist sie sehr wählerisch, sie liebt die Freiheit und hasst Zwänge. Wir ähneln uns. Trotzdem muss man hier auch Kompromisse machen. Ich hatte gehört, dass RPM Fusion in der Stadt sein soll. Sie war begeistert. Er spielt tolle, aber proprietär codierte Musik und das auch noch kostenlos. Nun musste er nur noch ausfindig gemacht werden. Ich suchte auf der Homepage und nach kurzer Zeit war es soweit. Wir erhielten die nötigen Eingangscodes und machten uns auf den Weg zur Rhythmbox. Als wir ankamen lief die Musik bereits.

Es war laut. Das gab mir die Gelegenheit, mich mit ihrem Aussehen zu beschäftigen. Natürlich zählt letztlich der Charakter, aber der Rest muss auch stimmen. Menschen sind so. Sie hat Nouveau, das wusste ich ja schon von Anfang an und das strahlte sie auch aus. Ihren Stil nennt sie selbst Gnome 3. Mit Eleganz wirft sie ihre Anwendungen nach hinten, wenn man sie leicht auf der linken Seite berührt. Dann sieht man auch ihre Seitenleiste mit den favorisierten und gerade getragenen Schmuckstücken. Von alten Konventionen hält sie allerdings wenig. Die restlichen Anwendungen findet man bei ihr nicht in einer Startleiste, sondern über ein Anwendungsmenü, welches ihre gesamte Oberfläche bedeckt. Eingeschränkt werden die vorhandenen Anwendungen durch vorsichtige Tastatureingaben oder die Auswahl der entsprechenden Sparte. Der Anblick ist ungewohnt, aber weiß zu gefallen. Ganz oder gar nicht ist bei den geöffneten Anwendungen angesagt. Entweder sie sind voll da oder eben nicht. Anwendungen zu minimieren fällt ihr gar nicht ein. Sie schiebt sie lieber auf die Seite, ach hinten oder auf einen anderen Desktop. Alles ist neu und aufregend. Die Zeit verfliegt. Der erste Eindruck steht und ist durchaus positiv. Auch sie scheint sich in meiner Gegenwart wohl zu fühlen. Meine Hardware gefällt ihr.

Nun ist es Zeit Abschied zu nehmen. Es hat gepasst, da waren wir uns einig. Eine neue Verabredung steht schon. Ich bin kein Freund großer Abschiedsszenen. Sie ist da anders. Nach dem Log-out blickte sie mich so an wie zu Beginn. So als würde der Abend gerade erst beginnen. Einen direkten Abschied kennt sie nicht. Ich verabschiedete mich erneut. Dieses mal mit Nachdruck. Sie scheint verstanden zu haben. Und geht. Aber wird sie jedes mal so eine Szene machen? Ich befürchte ja. Ihr blaues Antlitz verschwindet im Schwarz der Nacht.

Be happy! DgG
bei Antwort benachrichtigen