Off Topic 20.434 Themen, 227.007 Beiträge

Wo bleiben die deutschen Schlager?

weissnix / 9 Antworten / Flachansicht Nickles

Jedesmal, wenn ich (wie jetzt wieder mal) von einem Auslandsjob zurückkomme, fällt mir auf, dass fast alle deutschen Radiosender fast ausnahmslos anglo-amerikanische Musik spielen. Diese Woche kam ich in Begleitung eines amerikanischen Kollegen, der unbedingt ein paar Tage Urlaub in "Munich, Bavaria" machen wollte, per Auto über die Alpen und schaltete hinter Salzburg "Bayern drei" (oder dry???) ein. Nach einer halber Stunde fragte mich mein Ami dann durchaus ernsthaft, ob ich sicher sei, dass das ein deutscher Sender wäre, denn: "They only play English and American music, what about the Jodlers?"


Es gelang mir zwar, meinen Freund aus Alabama davon zu überzeugen, dass die Deutschen nicht pausenlos jodeln, sondern musikalisch eben weltoffen sind,  aber dann kam schon der zweite Kulturschock für ihn: nicht ein einziger Bayer in München in Lederhosen!  Da half nur noch das Hofbräuhaus, und da war er dann endlich zufrieden: "Yeah, that's the real Bavaria !"  Ich brachte es nicht über's Herz, ihn von diesem Glauben abzubringen.  


Aber zurück zum Thema: selbst Kleinstaaten wie Slowenien oder Bosnien schaffen es, rund um die Uhr ein ausgewogenes Radioprogramm mit einheimischer <b>und</b>  ausländischer Musik anzubieten, und die Leute sind's zufrieden. Ich habe durchaus nichts gegen gute englische oder amerikanische Hits, aber hat Deutschland eigentlich gar nichts Eigenes anzubieten? Es muss ja nicht gerade Heino sein, aber Westernhagen, Grönemeyer, die Ärzte oder von mir aus auch die Prinzen sind mit Sicherheit nicht schlechter als die langweilige US-Durchschnittsware, mit der wir Tag und Nacht berieselt werden. Und was die Texte angeht: im Vergleich zu 90 % aller anglo-amerikanischen Texte ist selbst Wolfgang Petry ein Poet !

.........und tschüssss!!!!!!!!!!!!
bei Antwort benachrichtigen
Deutsch-Sein und Kultur W.I.B
weissnix Nachtrag zu: „Wo bleiben die deutschen Schlager?“
Optionen

@W.I.B., der von Dir zitierte Artikel ist symptomatisch für die bornierte Abgehobenheit gewisser "Musikexperten": da werden Hegel und Marx bemüht, und zum Schluss kommt man dann auf den Punkt: wer deutsche Musik mag, ist ein Nazi. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, einen Amerikaner nur deshalb in die rechte Ecke zu stellen, weil er auf Country and Western steht - aber wehe dem Deutschen, der sich als Heino-Fan outet !!! (Ich bin selbstverständlich keiner, aber allein schon die Tatsache, dass ich das ausdrücklich betonen muß, sagt schon alles.)

@jüki, für mich hat das Ganze überhaupt nichts mit Nationalstolz zu tun. Nationalstolz ist für mich eine spezielle (Per)version geistiger Armut: ich bin stolz darauf, eine Ratte zu sein. Wenn ich nicht stolz bin, bin ich trotzdem eine Ratte. Da bin ich schon lieber gleich stolz (frei nach Tucholsky). Ansonsten hast Du Recht: Friedrich der Große sprach besser französisch als deutsch, heute ist halt Englisch angesagt, und in fünfzig Jahren, eventuell auch früher, wird es dann wahrscheinlich Arabisch oder Chinesisch sein. Nur Deutsch darf es auf keinen Fall sein. Typisch italienisch, spanisch oder englisch bedeutet stets etwas Besonderes, typisch deutsch hingegen bedeutet schlicht: Scheiße - oder?

Vermutlich brauchen die Deutschen noch hundert Jahre, um das Trauma von zwölf Nazi-Jahren zu überwinden und sich wieder auf ihre eigenen Qualitäten zu besinnen. Aber das ist mir dann auch egal, im Augenblick nervt mich nur das pausenlose englische Radiogedudel, das ich mir antun muß, wenn ich im Auto nicht auf Musikberieselung verzichten möchte.


.........und tschüssss!!!!!!!!!!!!
bei Antwort benachrichtigen