Peter war gerade asu der Firma nachhause gekommen. Mürrisch und abgespannt warf er seine Jacke über den Küchenstuhl, schlurfte zum Kühlschrank um sich eine Flasche Bier aufzumachen, auch wenn er wußte, daß er sich nach Erhöhung des Gesundheitsbeitrages auf gesunheitsgefährdente Stoffe auf 12 Euro erst wieder nächsten Monat eine Flasche leisten konnte, heute Abend brauchte er ein Bier.
Es war ein mieser Tag gewesen. Sein Chef kam kurz nach der 10 minütigen Mittagspause zu ihm und meinte er hätte eine schlechte Nachricht. Die Firma werde schließen müssen, da sie sich die Kosten für die Informationbeschaffung nicht mehr leisten konnte. Man konnte heute einfach keine Normen mehr erhalten ohne sich auf Jahre hinaus zu verschulden. Da die Firma schon wegen der Lizenzrechte an den Patentinhaber tief in den roten Zahlen steckte war das das Aus. Wer hätte auch geahnt, daß Wäscheklammern patentrechtlich geschützt sind und jedes Jahr eine neue Norm herauskam, die pro Einblick 100.000 Euro kosten würde.
Niedergeschlagen lies sich Peter in den Sessel fallen. Fernsehen wäre jetzt eine gute Idee. Er kramte seine Kreditkarte heraus, schob sie in die Settopbox und lies sich das Programmangebot auf den Bildschirm ausgeben. Sein Kontostand erlaubte ihm leider nur 20 Minuten HomeDiscount Eurasia 2013, doch es war ihm egal, hauptsache Ablenkung und er sah sich gerne Dinge an, die er sich ohnehin nicht leisten konnte, wie z.B. die Enzyklopädia Britannica auf 10 xDVD.
Seit der vierten Novellierung des Urheberrechts war es traurig geworden. Informationen und Wissen wurde einfach unbezahlbar, da die wenigen verbliebenen Rechteinhaber horrende Preise für das Wissen der Mnschheit verlangten. Selbst Schulen durften nur noch auf das Wissen vor dem Jahr 2000 zurückgreifen für einen Pauschalbetrag, der zu hohen Schulkosten für die Eltern geführt hatte. Wer sich das nicht leisten konnte mußte sein Kind auf eine der vielen Bastelschulen schicken, was die Kinder dazu verdammte später als Leiharbeiter nach Armenien zu gehen.
Peter sah sich gerade die letzten 3 Minuten der Verkaufssendung an, als er plötzlich durch lautes Donnern und einen grellen Blitz hochgeschreckt wurde. Die Tür seines 1-Zimmer Appartments flog aus den Angeln und blieb rauchen in der Mitte des aus Küche, Wohnzimmer, Duschecke und Kloschüssel bestehenden Raumes liegen.
Peter hatte in seinem Schock komplett das gefühl für Zeit verloren. Es kam ihm vor, als säße er minutenlang stocksteif in seinem Sessel und starrte die qualmenden Trümmer seines privaten Reiches an, es waren aber nur Sekundenbruchteile bis ein Corso vermummter Agenten durch seine Tür stürmten. Er erwachte erst aus seiner Trance, als er wie ein verunglückter Käfer auf dem Boden lag und seine Hände mit Kabelbindern hinter dem Rücken gefesselt waren.
Während dieser grotesken Aktion fiel kein einziges Wort. Auch während der 20 Minuten Fahrt im Fensterlosen Gefangenenbus sprach keiner der Agenten mit ihm oder zigte die geringste Reaktion auf seine flehentlichen Bitten ihm zu erklären was dies alles solle.
Nach 5 Tagen in einer dunkeln Einzelzelle war es so weit, er wurde dem Haftrichter vorgeführt. Man las ihm seine Personendaten vor, nachdem seine Identität anhand des Biometriechips ungefähr zum 10. Mal überprüft war und man klärte ihn auf, daß er aufgrund des neuen PIPA in gewahrsam genommen wurde.
Ja, vom Preventive Intelectual Property Act hatte er schon gehört, natürlich nciht aus offiziellen Quellen, diese konnte er sich ja nicht leisten, aber auf der Straße wurde gemunkelt. Die Gerüchte besagten, daß die Rechteinhaber neue Handhabe gegen die ausufernde illegale Verbreitung von Wissen brauchten, man mußte Einschreiten, bevor Urheberrechtsverstöße begangen wurden um das geistige Eigentum zu schützen.
Nun erfuhr er erstmals die Details des PIPA. Mittels Großrechnern wurde statistisch ermittelt, wer für Rechteverstöße infrage kam. Männer aus der unteren Einkommensschicht, alleinstehend und mit technischem Wissen. Ihm wurde erläutert, daß seine Lebensdaten leider genau in das Raster passen würden.
Die Verhandlung dauerte exakt 15 Minuten. Sämtliche statistischen Schlüsse wurden verlesen, ebenso sämtliche potentiellen Übertretungen, deren er schuldig werden könnte, ihm wurden 30 Sekunden zu seiner Verteidigung eingeräumt, die er aber leider perplex mit dümmlich offen stehendem Mund verstreichen lies, während er sich überlegte wann er denn endlich aufwachen würde.
Danach ging alles schnell, der Richter verkündete sein Urteil:
15 Jahre Selbstschutzverwahrung auf eigene Kosten, zahlbar für jeweils ein Jahr im Voraus und 2 Jahresbeiträge als Kaution, machte 150.000 Euro, zahlbar innerhalb 4 Wochen. Freundlicherweise wurde er auch darüber aufgeklärt, daß er, sollte er sich die Schutzverwahrung nicht leisten können, alternativ die Wahl eines kleinen Gehirneingriffs hatte, wlecher nur 25.000 Euro kosten würde und ihm jegliche Rechteübertretungen unmöglich machen würde. Kein Wunder ohne Seh- und Gehörnerven.
Als er in seine Zelle zurück geführt wurde fragte er sich im Stillen, ob seine Mutter ihm vielleicht doch noch etwas Geld leihen könne.
Frei nach TCPA
