Retrocomputing 69 Themen, 755 Beiträge

Tipp: Retrocomputing

Röhrenmonitor-Emulation für alte Spiele

Arctophylax / 1 Antworten / Baumansicht Nickles

In einem anderen Thread (Amiga 500 ist wieder da! ;)) wurde diskutiert, dass alte Spiele auf heutigen Bildschirmen nochmal extra schäbig aussehen, weil die Grafiken für Röhrenmonitore konzipiert worden waren, durch die die Bilder damals ganz anders gewirkt haben als auf heutigen Monitoren.
Natürlich gibt es Programmierer, die sich der Sache angenommen haben und CRT-Emulationen anbieten, so dass das Bild zwar auf einem heutigen Monitor ausgegeben wird, dabei aber per Software einem alten Röhrenmonitor nachempfunden wird.
Weitgehend konfigurierbar ist das kostenlose CRT-Royale. Das hab ich mal mit einigen ScummVM-Spielen ausprobiert; hier eine kleine Einführung für die, die's auch ausprobieren wollen (sorry, ist keine präzise Schritt-für-Schritt-Anleitung; man muss hier und da wahrscheinlich ein bisschen rumprobieren - oder halt fragen, wenn was nicht klar ist):

Hinweis: ScummVM braucht dazu nicht separat installiert zu werden!

Grundsystem bei mir ist Windows 10 auf einem normalen PC.

Als erstes das kostenlose Programm "RetroArch" herunterladen & installieren.
RetroArch starten -> Hauptmenü -> Core laden -> Core herunterladen -> aus der Liste "ScummVM" wählen
Ab jetzt taucht unter Hauptmenü -> "Core laden" immer gleich ScummVM als Auswahlmöglichkeit auf. Leider ist ScummVM nicht in der aktuellen, sondern in einer älteren Version enthalten; von Zeit zu Zeit scheint es neuere Versionen zu geben; man kann unter Hauptmenü -> Online-Updater -> "Installierte Cores aktualisieren" ausführen und kucken, ob danach eine neuere Version von ScummVM vorhanden ist.

Mit einem Maus-Rechtsklick kann man sich in den Menüebenen übrigens "aufwärts" bewegen, so dass man irgendwann immer wieder im Hauptmenü von RetroArch landet.

Zum Spielen jetzt also immer "Core laden" (ScummVM), danach "Core starten", und schon öffnet sich die gewohnte ScummVM-Oberfläche; dort wie üblich auf die Spieldateien verweisen, so dass man das Spiel auswählen kann. (Ich geh jetzt einfach mal davon aus, dass die Funktionsweise von ScummVM bekannt ist.)

Erstmal was Grundsätzliches: die Shortcuts von RetroArch kollidieren teilweise mit denen von ScummVM (besonders störend beim Speichern von Spielständen, wenn man dem Spielstand einen sinnvollen Namen geben will und beim Tippen stattdessen irgendwelche Aktionen in RetroArch auslöst); deswegen sollte man RetroArch so konfigurieren, dass die Hotkeys nur als Tastenkombination ausgelöst werden: unter dem "Hauptmenü" in die "Einstellungen" gehen -> "Eingabe" -> "Hotkeys" -> "Hotkeys aktivieren" -> dann in den nächsten paar Sekunden einfach die Taste drücken, die man dann später gedrückt halten muss, um die RetroArch-Hotkeys auszuwählen. Ich hab mich für die Taste "tilde" entschieden, die Taste direkt links neben der Ziffer 1 auf einer normalen PC-Tastatur, mit dem kleinen Kreis und der nach oben zeigenden Pfeilspitze drauf.

Sobald man in ScummVM ist, gelangt man mit der Taste F1 ins "Schnellmenü" von RetroArch (wenn man die Konfiguration so durchgeführt hat wie gerade erklärt, muss man die Taste "tilde" drücken und halten und dann auf die Taste "F1" drücken).
Im Schnellmenü findet man den Punkt "Shader". Klickt man den an, erscheint der Punkt "Video-Shader: Aus". Mit einem Klick ändert sich das auf "Video-Shader: Ein", und man kann den gewünschten Shader auswählen, also auf "Laden" klicken, und dann diesem Pfad folgen: "shaders-glsl" -> "crt" -> "crt-royale.glslp". Mit "Fortsetzen" gelangt man dann ins Spiel bzw. in die ScummVM-Oberfläche zurück.

Mir persönlich gefällt die Voreinstellung nicht so gut, unter anderem, weil ich die Scanlines (die dunklen horizontalen Streifen, die sich durch's Bild ziehen) etwas übertrieben und weder schön noch authentisch finde. Ich hab CRT-Royale daher etwas nach meinem persönlichen Geschmack konfiguriert und meine Shader-Einstellungen gespeichert (wird beim Speichern automatisch als Textdatei C:\RetroArch-Win64\shaders\retroarch.glslp abgelegt):

#reference "shaders_glsl/crt/crt-royale.glslp"
diffusion_weight = "0.150000"
beam_min_sigma = "0.300000"
beam_max_sigma = "0.400000"
border_size = "0.000000"
border_darkness = "0.000000"

Somit brauche ich nur noch die Datei "retroarch.glslp" auszuwählen, um meine bevorzugten Shader-Einstellungen zu bekommen.

Der Unterschied ist ziemlich krass; mir persönlich macht das Spielen mit so einem CRT-Shader deutlich mehr Spaß als ohne, das muss ich schon sagen.

Ich hätte auch Bilder präsentiert, um den Unterschied zu demonstrieren (z.B. aus Monkey Island - einmal mit und einmal ohne Shader), weiß aber nicht, ob das urheberrechtlich geht; deswegen habe ich darauf verzichtet.

Viel Spaß auf jeden Fall!

bei Antwort benachrichtigen
andy11 Arctophylax „Röhrenmonitor-Emulation für alte Spiele“
Optionen

Schon mal Danke im vor raus. Werde das mal testen.

Andy

"Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schoenes bauen." Johann Wolfgang von Goethe
bei Antwort benachrichtigen