Fraktale sind in der Mathematik geometrisches Gebilde, die auf jeder Stufe der Vergrößerung eine komplexe und detaillierte Struktur besitzen. Fraktale besitzen die Eigenschaft der Selbstähnlichkeit, d. h., dass jedes kleine Stück des Fraktals die Struktur des Gesamtobjekts hat. Ein Beispiel für ein Fraktal ist das so genannte Sierpinski-Dreieck. Dieses Dreieck lässt sich erhalten, wenn man in der Mitte eines gleichseitigen Dreiecks wiederholt kleinere gleichseitige Dreiecke mit fortlaufend kleineren Seiten konstruiert. Theoretisch erhält man als Ergebnis eine Figur von endlicher Fläche, die aber einen Umfang von unendlicher Länge und eine unendliche Anzahl von Scheiteln besitzt. In der mathematischen Sprache der Infinitesimalrechnung kann eine derartige Kurve nicht abgeleitet werden.
Die Basis für die Mathematik der Fraktale geht auf das Jahr 1919 zurück. Damals untersuchte der französische Mathematiker Gaston Julia die rationale Funktion
x = x2 + i.
Dabei symbolisiert x eine komplexe Zahl und i die imaginäre Einheit
i = Á.
Julia fand heraus, dass die Funktion nach Einsetzen bestimmter Werte (mathematisch: Iteration = gezielt ausprobieren) nicht vorhersagbare chaotische Werte hervorbrachte. Diese Vorgehensweise führte zu selbstähnlichen Mengen (siehe oben), den so genannten Julia-Mengen. Julia selbst konnte die Tragweite seiner Entdeckung nur teilweise erkennen, da ihm für die enorm aufwendige Berechnung oder sogar graphische Auswertung das Instrument Computer fehlte – den gab es damals noch nicht.
Ein Wendepunkt beim Studium der Julia-Mengen trat mit der Entdeckung der fraktalen Geometrie durch den in Polen geborenen französischen Mathematiker Benoit B. Mandelbrot in den siebziger Jahren ein. Mandelbrot entwickelte auf Grundlage der Julia-Funktion ein Programm, mit dem sich die Ergebnisse aus der Iteration graphisch darstellen ließen. Dazu installierte Mandelbrot sein Programm auf einem leistungsfähigen Rechner und brachte es zum Laufen. Der Rechner erzeugte zunächst eine sehr komplexe Grundfigur (so genannte „Apfelmännchen”). Wenn Mandelbrot Teile dieser Figur graphisch ausschnitt und mit Hilfe des Programms neu berechnen ließ, lieferte ihm der Computer zu seiner Überraschung ein Muster, das der Grundfigur sehr ähnlich war. Mandelbrot prägte hierfür den Begriff der Selbstähnlichkeit. Die Mengen, die diesen Mustern zu Grunde liegen, bezeichnet man heute als Mandelbrot-Mengen.
Mandelbrot führte eine viel abstraktere Definition ein, als sie für die Elementargeometrie (siehe euklidische Geometrie) galt. Wenn man die Größe eines Fraktals bestimmen will, muss gemäß dieser Definition die Dimension eines Fraktals als Exponent behandelt werden. Aus diesem Grund kann ein Fraktal nicht so behandelt werden, als ob es in einer, zwei oder jeder anderen ganzzahligen Dimension existiere. Man muss stattdessen bei der mathematischen Behandlung davon ausgehen, dass es irgendeine gebrochene (fraktale) Dimension besitzt. Beispielsweise liegt die Dimension eines Gebirges zwischen zwei (einer Ebene) und drei (eines Körpers), das oben beschriebene Sierpinski-Dreieck hat die gebrochene Dimension 1,2618.
Die fraktale Geometrie ist nicht einfach eine abstrakte Entwicklung. Eine Küstenlinie, wenn man sie bis in ihre kleinste Unregelmäßigkeit misst, strebt auf eine unendliche Länge zu, so wie es auch das Sierpinski-Dreieck tut. Mandelbrot ging davon aus, dass Gebirge, Wolken, Ansammlungen, Sternhaufen und andere natürliche Erscheinungen ihrem Wesen nach einem Fraktal ähnlich sind. Die Lehre von der fraktalen Geometrie fand schnell Eingang in die verschiedenen Wissensgebiete. Fraktale wurden zu einem Schlüsselelement zur Erzeugung von Computergraphiken.
So werden Fraktale beispielsweise auch dazu verwendet, Einzelaufnahmen und Videobilder auf Computern zu komprimieren. 1987 entdeckte der Mathematiker Dr. Michael F. Barnsley die Fraktale Transformierte, mit deren Hilfe sich in digitalisierten Photographien automatisch fraktale Strukturen auffinden lassen. Diese Entdeckung brachte die fraktale Bildkomprimierung hervor, die bei einer Vielzahl von Multimedia- und anderen auf Bildern basierenden Computeranwendungen verwendet wird.